Dongjiao — der Kokoswald
| Englischer Name | Dongjiao Coconut Grove, Wenchang |
| Chinesisch | 东郊椰林 kopierenDōngjiāo Yēlín |
| Beste Zeit | Später Nachmittag bis zur goldenen Stunde · danach Kokos-Huhn zum Abendessen |
| Bus | Busse von der Stadt Wenchang nach Dongjiao — in Amap prüfen. |
| Didi | Von Longlou geschätzt 40–50 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Kostenlos |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Palmen | rund 2 Millionen (2024) |
| Anteil | etwa ein Viertel der Kokosnüsse Chinas |
| Kokosnuss | am Straßenrand wenige Yuan |
| Nachbar | kommerzieller Raketenstartplatz seit 2024 |
Ein Wald, der eine Wirtschaft ist
Dongjiao liegt auf einer Landzunge südlich der Stadt Wenchang, gegenüber dem Hafen Qinglan. Wer hierher fährt, fährt kilometerlang durch Palmen: an der Straße, zwischen den Häusern, bis hinunter an den Strand. In den Dörfern stehen die Wohnhäuser mitten zwischen den Stämmen, Hängematten sind von Palme zu Palme gespannt, und vor jedem zweiten Haus liegen Berge von Nüssen.
Anders als in den Hotelgärten von Sanya ist hier nichts Dekoration. Jede Palme ist ein Stück Einkommen. Wer versteht, wie viel an dieser einen Pflanze hängt, sieht die Palmen der ganzen Insel danach mit anderen Augen.
Die Hälfte der Hälfte
In Hainan sagt man: Die Hälfte der Kokosnüsse Hainans kommt aus Wenchang, und die Hälfte der Kokosnüsse Wenchangs aus Dongjiao. Weil Hainan praktisch die einzige Kokos-Provinz Chinas ist, stammt damit rund ein Viertel der chinesischen Kokosnüsse aus diesem einen Ort.
Die Zahlen dazu sind eindrucksvoll: Auf rund 88 Quadratkilometern stehen nach Angaben von 2024 etwa zwei Millionen Palmen, die jedes Jahr mehr als 20 Millionen Nüsse tragen. Der Ort hat weniger als 50.000 Einwohner, und rund 15.000 von ihnen leben direkt oder indirekt von der Kokosnuss.
Angeschwemmt aus Südostasien
Warum gerade hier so viele Palmen wachsen, erklärt man sich gern mit einer Geschichte. Im Sommer treiben Strömungen im Südchinesischen Meer von den Inseln Südostasiens nach Nordosten. Kokosnüsse, die dort ins Meer fielen, trieben mehr als hundert Tage übers Wasser und strandeten schließlich hier, an der Landzunge von Dongjiao, die sich der Strömung in den Weg stellt. Eine Kokosnuss kann so lange schwimmen und danach noch keimen.
Ob es sich wirklich so zugetragen hat, weiß niemand. Aber die Geschichte passt zu einer Insel, deren Menschen, Kaffee und Küche so viel aus Südostasien mitgebracht haben — warum nicht auch die Palmen selbst?
Rot, grün, hoch und niedrig
Kokospalme ist nicht gleich Kokospalme. In Dongjiao wachsen über fünfzig Sorten: hohe Palmen, die zwanzig Meter und mehr erreichen und von Kletterern abgeerntet werden, niedrige Zwergsorten, die man fast vom Boden aus pflücken kann, Palmen mit grünen und mit rötlich-orangefarbenen Nüssen. Dazu kommt die Nipapalme, die im Brackwasser der Mangroven wächst.
Im Kokospark des Ortes steht ein besonderer Baum: eine über hundert Jahre alte Palme, die sich oben in zwei Kronen teilt. Kokospalmen verzweigen sich normalerweise nie. Die Einheimischen nennen sie den „Kokoskönig“.
Glanz, Verfall, neue Straße
In den 1990er Jahren war der Kokoswald von Dongjiao eines der bekanntesten Bilder Hainans, auf Postkarten und in Reiseprospekten. Busse brachten Touristen zu einem Ferienresort am Strand. Dann kam der Niedergang: Die Anlage alterte, Besucher blieben aus, und Landgewinnung und Bauprojekte haben Teile des Strandes zerstört.
Wiederentdeckt wurde die Gegend mit der neuen Küstenstraße rund um die Insel. Die schönste Art, Dongjiao zu erleben, ist deshalb heute nicht das alte Resort, sondern die Fahrt durch die Palmendörfer und ein Halt in einem der kleinen Restaurants am Straßenrand.
Alles aus einer Nuss
Von einer Kokospalme wird fast alles verwertet. In Dongjiao sitzt rund ein Drittel aller Kokos-Betriebe der Provinz, über 380 nach Angaben von 2021. Hier entstehen Kokosmilch, Kokosöl, getrocknetes Fruchtfleisch, Süßigkeiten, Matratzen aus den Fasern der Schale und sogar Aktivkohle aus den harten Schalen. Die Produkte gehen nach ganz China, nach Südostasien und bis nach Europa.
Seit einigen Jahren verkaufen viele Bauern ihre Nüsse direkt über das Internet, vorbereitet zum Trinken und in Kühlboxen verschickt. Eine kleine Genossenschaft verschickt so nach eigenen Angaben zwanzigtausend Nüsse im Monat. Die Kokosnuss aus Dongjiao ist in China eine Marke geworden.
Kokos-Huhn und Kokosreis
Eine frische Kokosnuss kostet am Straßenrand nur wenige Yuan, die Bauern schlagen sie mit der Machete auf und stecken einen Strohhalm hinein. Hat man sie ausgetrunken, schlagen sie die Nuss ganz auf, damit man das weiche Fruchtfleisch herauslöffeln kann.
Die Spezialität der Gegend ist Kokos-Huhn: ein Feuertopf, in dem Hühnchen in Kokoswasser gegart wird — es gilt als Erfindung Hainans und ist inzwischen in ganz China beliebt. Serviert wird es so: Zuerst kommt das frische Kokoswasser in den Topf, und man trinkt eine Schale davon pur, sobald es heiß ist — erst dann kommt das Huhn hinein, meist das berühmte Wenchang-Huhn. Nach wenigen Minuten ist es gar und wird in eine Soße aus Sojasoße, Limette, Knoblauch und kleinen scharfen Chilis getunkt. Dazu gibt es Reis, der in der Nuss gekocht wird, und als Nachtisch Qingbuliang, eine kalte Suppe aus Kokosmilch, Bohnen und Früchten.
Nachbarn: Forscher und Raketen
In Wenchang steht auch Chinas einziges Forschungsinstitut für Kokospalmen. Seit 1980 betreibt es in der Nähe einen großen Schaugarten mit Palmen aus aller Welt, in dem neue Sorten gezüchtet werden, die mehr Nüsse tragen und dem Wind besser standhalten.
Und seit 2024 hat Dongjiao einen ganz neuen Nachbarn: Auf dem Gebiet des Ortes liegt Chinas erster kommerzieller Raketenstartplatz. Wer hier eine Kokosnuss trinkt, kann mit etwas Glück zusehen, wie eine Rakete über den Palmen aufsteigt.
Wie man den Besuch angeht
Am schönsten ist Dongjiao am späten Nachmittag bis zur goldenen Stunde, wenn das Licht flach durch die Stämme fällt. Mit Didi durch die Dörfer fahren, an einer Stelle aussteigen, wo es gefällt, und dann ans Meer laufen. Zum Abendessen ein Kokos-Huhn in einem der Dorfrestaurants.
Kokosnüsse am besten direkt bei den Bauern am Straßenrand kaufen, das ist günstiger und frischer als in den Touristenläden. Und nicht direkt unter den Palmen parken oder sitzen: Eine fallende Nuss wiegt ein bis zwei Kilo.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 22.11.2026.