Das Haus der Song-Schwestern
| Englischer Name | Soong Family Ancestral Home, Wenchang |
| Chinesisch | 宋氏祖居 kopierenSòngshì Zǔjū |
| Beste Zeit | Vormittags, dann ist es ruhig und kühler |
| Bus | Vom Busbahnhof Wenchang fahren nur wenige Busse am Tag zum Haus — Zeiten in Amap prüfen. |
| Didi | Von Longlou geschätzt 20–30 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Ca. 15 ¥ in der Hochsaison |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Geöffnet | 09:00–17:00, Kasse schließt eine Stunde früher |
| Lage | Dorf Gulu Yuan, Changsa, Nordosten von Wenchang |
| Gedenkhalle | seit 1985, für Song Qingling |
| Charlie Soong | geboren um 1861 als Han Jiaozhun, gestorben 1918 |
Ein Bauernhaus unter Kokospalmen
Das Haus steht im Dorf Gulu Yuan bei Changsa, im Nordosten von Wenchang, eine halbe Autostunde von der Stadt entfernt. Man erreicht es über eine schmale Allee, eingerahmt von Kokospalmen, Longan-Bäumen und Feldern. Nichts deutet darauf hin, dass hier eine der einflussreichsten Familien der chinesischen Geschichte ihre Wurzeln hat.
Die Familie, die hier lebte, hieß Han. Ihre Vorfahren kamen der Überlieferung nach im 12. Jahrhundert vom Festland nach Hainan, im Jahr 1197, und ließen sich in der Gegend von Wenchang nieder. Viele Generationen später zog ein Zweig der Familie in dieses Dorf.
Wenchang, die Insel der Auswanderer
Um das Haus zu verstehen, muss man wissen, woher es kommt. Wenchang gilt als die Heimat der Auslandschinesen Hainans. Über Generationen zogen junge Männer von hier nach Singapur, Malaya, Siam, Java und Vietnam, arbeiteten als Händler, Köche und Seeleute und schickten Geld nach Hause.
In vielen Dörfern der Gegend stehen deshalb Häuser, die mit diesem Geld gebaut wurden, manche mit Säulen und Bögen im Stil Südostasiens. Das Haus der Familie Han gehört nicht dazu — es blieb ein schlichtes Bauernhaus. Aber die Geschichte seines berühmtesten Sohnes beginnt genau so wie die von Tausenden anderen: mit dem Weggehen.
Der kleine Tiger, der Han hieß
Um 1861 wurde hier ein Junge geboren, der Han Jiaozhun hieß, mit Spitznamen „Tiger“. Die Familie war arm, wie die meisten in dieser Gegend. Wenchang war schon damals eine Region, aus der die jungen Männer weggingen, weil das Land sie nicht ernährte.
Mit etwa elf Jahren verließ auch Han Jiaozhun die Insel. Zuerst ging er mit seinem älteren Bruder nach Niederländisch-Indien, ins heutige Indonesien, wie so viele Hainaner vor ihm. Dort nahm ihn ein Verwandter mit dem Familiennamen Song unter seine Fittiche, der in Boston ein Geschäft für Tee und Seide betrieb. Der Mann adoptierte ihn — und aus dem Jungen der Familie Han wurde ein Song.
Von Java nach Boston und North Carolina
In Boston sollte der Junge im Laden des Onkels arbeiten. Er wollte aber lernen, lief davon und heuerte auf einem Schiff der amerikanischen Küstenwache an. Der Kapitän nahm sich seiner an und brachte ihn nach North Carolina. Dort wurde er 1880 als Methodist getauft und nannte sich fortan Charles Jones Soong, kurz Charlie.
Unterstützer aus der Kirche bezahlten ihm eine Ausbildung. Er studierte am Trinity College, der heutigen Duke University, und danach Theologie an der Vanderbilt University in Tennessee. 1886 kehrte er als Missionar nach China zurück — ein Chinese aus einem Dorf auf Hainan, der fließend Englisch sprach und amerikanische Umgangsformen hatte.
Bibeln, Maschinen und eine Revolution
In Shanghai war Charlie Soong als Missionar bald unzufrieden und wechselte ins Geschäft. Er gründete eine Druckerei, die Bibeln und religiöse Schriften druckte, und handelte als Vertreter amerikanischer Firmen mit Maschinen. Innerhalb von zwanzig Jahren wurde er ein reicher Mann.
Einen großen Teil seines Vermögens steckte er in die Revolution von Sun Yat-sen, den er in Shanghai kennengelernt hatte. Er finanzierte dessen Bewegung, organisierte geheime Treffen und druckte in seiner Druckerei auch revolutionäre Schriften. Als 1911 das Kaiserreich stürzte, war Charlie Soong einer der wichtigsten Geldgeber der neuen Republik. Er starb 1918 in Shanghai.
Drei Schwestern, zwei Chinas
Charlie Soong hatte sechs Kinder, drei Töchter und drei Söhne, und schickte sie alle zum Studium in die USA. Die älteste Tochter, Ailing, heiratete den Bankier Kong Xiangxi, einen Nachfahren des Konfuzius, der später Finanzminister wurde. Qingling heiratete gegen den Willen des Vaters Sun Yat-sen, den Gründer der Republik. Meiling heiratete Chiang Kai-shek, den Führer der Nationalregierung. Ihr Bruder Song Ziwen wurde Außenminister und Regierungschef der Republik China.
Nach dem Bürgerkrieg 1949 trennten sich die Wege. Qingling blieb in der Volksrepublik und wurde kurz vor ihrem Tod 1981 zur Ehrenpräsidentin ernannt. Meiling ging mit Chiang nach Taiwan und starb 2003 mit 105 Jahren in New York. Zwei Schwestern, zwei Staaten, die einander bis heute nicht anerkennen. In China erzählt man sich gern den Spruch, die eine habe das Geld geliebt, die zweite die Macht und die dritte das Land.
Was man vor Ort sieht
Das Haus selbst ist ein typisches hainanesisches Bauernhaus aus Ziegeln und Holz, mit Haupthaus, Küche und Nebengebäuden, eingerichtet mit einfachen Möbeln, Mühlsteinen, Pflug und Regenumhängen. Den goldenen Schriftzug über dem Tor schrieb Deng Xiaoping. Im Haupthaus hängen Fotos der Familie.
Gleich daneben steht eine Gedenkhalle von 1985 mit goldgelbem Dach, die vor allem Song Qingling gewidmet ist. Davor steht ihre Statue aus weißem Marmor, im Hof eine Büste von Sun Yat-sen, etwas weiter eine Statue von Charlie Soong. Die Mitarbeiter tragen oft Schuluniformen aus der Zeit der Republik.
Was die Ausstellung weglässt
Die Ausstellung erzählt die Geschichte aus Sicht der Volksrepublik. Qingling steht im Mittelpunkt, als „Mutter der Nation“ und Verbündete der Kommunisten. Meiling und Chiang Kai-shek, Ailing und ihr Mann kommen kaum vor, obwohl sie für die Geschichte Chinas mindestens so wichtig waren.
Wer das weiß, kann gerade an dieser Lücke viel ablesen. Das Haus ist Pilgerort für Schulklassen und Parteigruppen, zugleich aber auch für Besucher aus Taiwan und aus der chinesischen Diaspora, die hier eine gemeinsame Herkunft suchen.
Wie man den Besuch angeht
Für Haus und Gedenkhalle reicht eine Stunde. Am besten kommt man vormittags, dann ist es ruhig und kühler. Der Eintritt kostet in der Hochsaison rund 15 Yuan. Am Eingang werden frisch gebackene kleine Fladenbrote verkauft, zwei Stück für ein paar Yuan.
Das Haus liegt ländlich, Busse fahren nur wenige Male am Tag. Mit Didi hin und die Rückfahrt im Voraus bestellen. Die Ausstellung ist überwiegend auf Chinesisch, eine Übersetzungs-App hilft.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 22.11.2026.