Tanmen — der Hafen und das Seebuch
| Englischer Name | Tanmen Fishing Port & China (Hainan) Museum of the South China Sea |
| Chinesisch | 潭门 kopierenTánmén |
| Ziel | 中国(海南)南海博物馆 kopierenMuseum am Hafen |
| Beste Zeit | Morgens ab ca. 08:00 am Hafen, wenn die Boote entladen werden · danach ins Museum |
| Bus | Busse von Qionghai (Jiaji) nach Tanmen — in Amap prüfen; zum Museum ist Didi einfacher. |
| Didi | Von Guantang geschätzt 30–40 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Hafen kostenlos · Museum kostenlos, Ticket mit Pass |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Museum | Di–So 09:00–17:00, Einlass bis 16:30, montags geschlossen |
| Eröffnet | April 2018 |
| Seebücher | seit 2008 nationales immaterielles Kulturerbe |
| Bis Bo'ao | rund 9 km |
Ein arbeitender Hafen
Tanmen ist ein Fischerort südöstlich von Qionghai, rund neun Kilometer von Bo'ao entfernt, und einer der großen Fischereihäfen Chinas. Schon zur Song-Zeit suchten Boote hier Schutz und Vorräte. Morgens werden die Fänge entladen: Makrelen, Bandfische, Tintenfische und Meeresschnecken liegen auf dem Kai, Händler und Einheimische feilschen um die besten Stücke.
Auffällig ist, dass an fast jedem Boot die Nationalflagge weht. Das ist kein Zufall. Tanmen versteht sich als Hafen an einer Grenze, auch wenn diese Grenze Hunderte Kilometer weit draußen im Meer liegt.
Mit dem Monsun nach Süden
Die Boote von Tanmen fahren traditionell nicht nur vor die Küste, sondern weit hinaus zu den Paracel- und Spratly-Inseln, auf Chinesisch Xisha und Nansha. In der Zeit der Segelschiffe richtete sich alles nach dem Monsun: Im November und Dezember, wenn der Nordostwind einsetzte, segelten die Fischer nach Süden. Im April, mit dem Südwestwind, kamen sie beladen zurück.
Viele von ihnen tauchten nach Seegurken, Muscheln und Schnecken und nannten sich deshalb „Fischer vom Meeresgrund“. Vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren aus Tanmen jedes Jahr zwanzig bis dreißig Boote mit einigen hundert Männern hinaus. Auf manchen Inseln bauten sie kleine Tempel und Gräber für Kameraden, die nicht zurückkehrten.
Das Seebuch der Fischer
Navigiert wurde mit handgeschriebenen Seebüchern, dem Genglubu. „Geng“ ist eine alte Einheit für die Fahrtstrecke, rund sechzig Li, „Lu“ der Weg, „Bu“ das Heft. Darin standen Kompasskurse, Fahrzeiten, Landmarken und eigene Namen für einzelne Riffe und Sandbänke. Die erhaltenen Abschriften reichen bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück, über zehn Fassungen sind bekannt.
Weil die Fischer mit dem Nordostwind fuhren, nannten sie die Paracel-Inseln schlicht das „Ostmeer“ und die Spratlys das „Nordmeer“ — aus ihrer Sicht der Windrichtung. 2008 wurde das Wissen der Seebücher in die erste nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die letzten Kapitäne, die noch mit ihnen gefahren sind, sind heute weit über siebzig.
Warum diese Bücher heute Politik sind
Die Gebiete, zu denen die Fischer fuhren, sind heute umstritten. China beansprucht einen großen Teil des Südchinesischen Meeres und führt dafür auch die Geschichte der Fischerei an — die Seebücher gelten in China als Beleg für historische Rechte und werden auch von der Diplomatie zitiert. Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Brunei und Taiwan erheben eigene Ansprüche.
2016 entschied ein internationales Schiedsgericht in einem Verfahren der Philippinen, dass China aus historischen Rechten keine Ansprüche auf die Gewässer innerhalb seiner Linie ableiten kann. China erkennt diesen Spruch nicht an. Wer in Tanmen steht, steht also an einem Ort, dessen Alltagsgeschichte Teil eines großen Konflikts geworden ist.
Das Museum des Südchinesischen Meeres
Direkt am Hafen steht seit April 2018 ein großes staatliches Museum mit Blick auf die Boote. Es zeigt das Wrack eines Handelsschiffes aus der Song-Zeit, das rund 800 Jahre auf einem Riff der Paracel-Inseln lag, mit seiner Ladung aus Porzellan. Dazu kommen Walskelette und eine Ausstellung über das Leben der Fischer von Tanmen, ihre Boote und ihre Seebücher.
Das Museum ist auch eine offizielle Stätte der patriotischen Erziehung. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Meeres aus chinesischer Sicht. Es lohnt sich, das beim Besuch im Kopf zu behalten und genau hinzusehen, was gezeigt wird und wie.
Muscheln, Korallen und ein Verbot
In den Läden an der Hafenstraße liegen Muscheln, Schneckenhäuser, Schmuck und getrocknete Meeresfrüchte. Lange war Tanmen auch für Schnitzereien aus Riesenmuscheln bekannt, die aus den Riffen weit draußen stammten. Dieser Handel ist inzwischen verboten, weil die Tiere geschützt sind und ihre Entnahme Riffe zerstört hat.
Für Besucher heißt das: Korallen, Riesenmuscheln und Schildpatt nicht kaufen, auch wenn sie irgendwo angeboten werden. Die Ausfuhr geschützter Arten ist verboten, und in der EU drohen bei der Einreise empfindliche Strafen.
Wie man den Besuch angeht
Morgens ab etwa acht Uhr ist am Hafen am meisten los, wenn die Boote entladen werden. Danach geht man ins Museum, das nur wenige Minuten entfernt liegt. Für die Ausstellung sollte man ein bis zwei Stunden einplanen.
Das Museum ist montags geschlossen und kostenlos. Ausländer holen ihr Ticket mit dem Pass am Schalter im Erdgeschoss des Südgebäudes, eine Anmeldung vorab ist empfehlenswert. Die Texte sind überwiegend auf Chinesisch, eine Übersetzungs-App hilft.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 19.11.2026.