Tianya Haijiao — vom Ende der Welt zum Hochzeitsfoto
| Englischer Name | Tianya Haijiao (End of the Earth), Sanya |
| Chinesisch | 天涯海角 kopierenTiānyá Hǎijiǎo |
| Ziel | 天涯海角游览区 kopierenTianya Haijiao — als Ziel eingeben |
| Beste Zeit | Später Nachmittag, möglichst bei Ebbe |
| Bus | Linie 125 die Sanya-Bucht entlang nach Westen — in Amap prüfen, spätere Fahrten enden in Tianya. |
| Didi | Von der Sanya-Bucht rund 20–30 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Kostenlos seit Juni 2023 · Reservierung mit Realnamen Pflicht |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Inschriften | 1714 · 1727 · 1909 · 1939 |
| Zwei-Yuan-Schein | Felsen „Säule des südlichen Himmels“ |
| Lage | rund 24 km westlich des Zentrums |
Wo die Welt aufhörte
Tianya Haijiao liegt rund 24 Kilometer westlich des Zentrums von Sanya, auf einem Kap zwischen zwei Buchten. Der Name bedeutet „Rand des Himmels, Ecke des Meeres“. Für das kaiserliche China war das buchstäblich gemeint: Hier, an der Südspitze der letzten Insel, endete das Reich. Dahinter kam nur noch Wasser.
Wer bis hierher verbannt wurde, kam meist nicht zurück. Die Beamten und Gelehrten, deren Geschichten man in Haikou und Danzhou kennengelernt hat, sahen die Insel als Ort der Verzweiflung. „Bis ans Ende der Welt“ war für sie kein romantischer Ausdruck, sondern eine Drohung.
Vier Inschriften, vier Epochen
Die älteste Inschrift ist nicht die berühmteste. 1714 ließen kaiserliche Landvermesser auf einem Felsen vier Zeichen einmeißeln, die sinngemäß sagen: Hier trennt das Meer den Süden des Himmels. Sie arbeiteten an der ersten großen Reichskarte Chinas, und dieser Stein markierte ihren südlichsten Punkt.
Die Zeichen „Tianya“, Rand des Himmels, meißelte 1727 der Präfekt von Yazhou, Cheng Zhe, in einen großen Granitblock. „Haijiao“, Ecke des Meeres, kam erst 1939 dazu, geschrieben von Wang Yi, einem General der Nationalregierung. Und 1909 ließ der damalige Präfekt auf einem sieben Meter hohen Felsen die Worte „Eine Säule des südlichen Himmels“ einmeißeln.
Eine Jahreszahl, die niemand richtig las
Lange stand in allen Büchern, die Inschrift „Tianya“ stamme aus dem Jahr 1733. So hatte es auch eine alte Chronik festgehalten, und selbst der berühmte Schriftsteller Guo Moruo übernahm das Datum. Erst 1984 machten Mitarbeiter des örtlichen Kulturamts einen Abrieb der verwitterten Zeichen und stellten fest, dass dort ein anderes Jahr steht: 1727.
Wind und Salz hatten die Zeichen über zweihundert Jahre so abgeschliffen, dass jeder das falsche Jahr hineinlas. Es ist eine kleine Geschichte, aber eine, die zu dieser Reise passt: Nicht alles, was lange so geschrieben steht, stimmt.
Ein Felsen auf dem Geldschein
Der Felsen mit der Inschrift „Eine Säule des südlichen Himmels“ ist vielen Chinesen vertraut, ohne dass sie je hier waren: Er ist auf der Rückseite eines älteren Zwei-Yuan-Scheins abgebildet. Mit rund sieben Metern ist er der zweithöchste Einzelfelsen des Geländes.
Zu dem Felsen gibt es eine Legende. Zwei Feen sollen heimlich vom Himmel gestiegen sein, um den Fischern der Gegend den Weg zu weisen. Als sie zurückgerufen wurden, weigerten sie sich, wurden zu Stein — und ein Blitz spaltete sie. Ein Stück fiel ins Meer bei Lingshui, das andere landete hier.
Vom Ort der Verzweiflung zum Hochzeitsfoto
Heute hat der Ausdruck „bis ans Ende der Welt“ im Chinesischen einen ganz anderen Klang: Man sagt ihn Verliebten, die einander überallhin folgen wollen. Es gibt sogar eine Legende von einem Liebespaar, das vor seinen Familien bis hierher floh und zu zwei Felsen wurde.
Deshalb kommen heute Brautpaare aus ganz China nach Tianya Haijiao, um sich fotografieren zu lassen. Derselbe Ort, der jahrhundertelang für Verbannung und Heimweh stand, ist zum Symbol für ewige Liebe geworden. Tausend Jahre liegen zwischen beiden Bedeutungen.
Zwei Steine — und viel mehr?
Viele Besucher sind enttäuscht, weil der berühmte Ort im Grunde aus einigen Felsen am Strand besteht. Wer die Geschichten dahinter nicht kennt, sieht tatsächlich nur Steine mit Schriftzeichen. Wer sie kennt, sieht vier Epochen chinesischer Geschichte an einem Strand.
Dazu kommt die Landschaft: lange Sandstrände, Kokospalmen, Felsen im Meer und über allem die Flugzeuge, die hier im Tiefflug zum nahen Flughafen einschweben. Neben dem Gelände liegt ein neu gebautes Städtchen in Weiß und Blau mit Cafés und Restaurants.
Kostenlos, aber mit Reservierung
Seit dem 1. Juni 2023 ist der Eintritt frei. Man muss aber vorher mit Realnamen reservieren, über den offiziellen Kanal der Anlage — eine Kasse gibt es nicht mehr. Wer über 55 ist, kommt in der Regel auch ohne Reservierung mit seinem Ausweis hinein. Mit ausländischem Pass hilft im Zweifel die Hotelrezeption.
Kostenpflichtig sind nur Extras, etwa der Elektrobus oder Bootsfahrten entlang der Küste. Beides ist nicht nötig. Achtung bei Flut: Der Felsen „Haijiao“ steht teilweise im Wasser und ist dann vom Strand aus schwer zu erreichen.
Wie man den Besuch angeht
Am schönsten ist der späte Nachmittag, wenn das Licht warm wird und die Felsen lange Schatten werfen. Für die Felsen und einen Strandspaziergang reichen zwei Stunden. Danach kann man im weiß-blauen Städtchen nebenan essen oder zurück an die Sanya-Bucht fahren.
Am besten geht man zu Fuß den Strand entlang, von einem Felsen zum nächsten: erst die Säule des südlichen Himmels, dann „Tianya“, dann „Haijiao“. Und wer mag, sucht den unscheinbaren Stein der Landvermesser von 1714 — er ist der älteste von allen.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 01.12.2026.