Bo'ao — Asiens Davos
| Englischer Name | Boao Forum for Asia — Permanent Site |
| Chinesisch | 博鳌 kopierenBó'áo |
| Ziel | 博鳌亚洲论坛永久会址 kopierenForumsgelände — Kasse und Boote |
| Beste Zeit | Vormittags zusammen mit der Sandbank Yudai |
| Bus | Vom Busbahnhof Qionghai fahren Busse nach Bo'ao — in Amap prüfen. |
| Didi | Von Guantang geschätzt 30–40 Minuten. |
| Route live | |
| Eintritt | Kombiticket mit Elektrobus und Boot zur Sandbank ca. 128–139 ¥ · nur Forum ca. 69 ¥ |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Gegründet | 27. Februar 2001, Jahreskonferenz jedes Frühjahr seit 2002 |
| Insel Dongyu | 1,8 km², seit 2024 Null-Emissions-Gebiet |
| Zertifizierung | Deutsche Energie-Agentur, als erstes Gebiet in China |
Ein Fischerort an drei Flüssen
Bo'ao liegt dort, wo der Wanquan-Fluss und zwei kleinere Flüsse ins Südchinesische Meer münden. Die Flüsse bilden eine weite Lagune mit kleinen Inseln, die zum Meer hin nur von einer schmalen Sandbank getrennt ist. Schon zur Song-Zeit lebten hier Tanka, die Bootsleute, die man in Xincun kennengelernt hat. Im Jahr 1023 bauten sie einen Tempel für die drei Flüsse.
Über Jahrhunderte war Bo'ao ein unbedeutender Fischerort, den kaum jemand außerhalb der Insel kannte. Die Menschen lebten vom Fang in der Lagune und vor der Küste. Das änderte sich innerhalb weniger Jahre — wegen einer Idee, die in Manila entstand.
Eine Idee aus Manila
Im September 1998 schlugen drei Politiker im Ruhestand vor, ein asiatisches Gegenstück zum Weltwirtschaftsforum in Davos zu gründen: der frühere philippinische Präsident Fidel Ramos, der frühere australische Premier Bob Hawke und der frühere japanische Regierungschef Morihiro Hosokawa. Es gab zwar schon andere regionale Treffen, aber keines, das ganz von Asien aus gedacht war.
China griff die Idee auf und unterstützte sie kräftig. Als Standort wählte man nicht Peking oder Shanghai, sondern den kleinen Fischerort Bo'ao auf Hainan. Ramos sagte später, das Forum sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gegründet worden.
Wie ein Dorf zur Weltbühne wurde
Am 27. Februar 2001 kamen Vertreter aus 26 Staaten nach Bo'ao und gründeten das Boao Forum for Asia. Staatspräsident Jiang Zemin reiste persönlich an. Es war die erste internationale Konferenzorganisation mit Hauptsitz in China. Im April 2002 fand die erste Jahreskonferenz statt, mit rund 1.900 Teilnehmern aus 48 Ländern und Regionen.
Seitdem trifft man sich jedes Frühjahr hier, meist Ende März. Die Wahl des Ortes war ein politisches Signal: Eine Provinz, die in China als rückständig galt, bekam eine Adresse von Weltrang, und Hainan konnte sich als Tor nach Südostasien präsentieren. Aus dem Fischerort wurde eine Kulisse mit Golfplatz, Hotels und breiten Alleen.
Die Insel Dongyu
Das Herz des Forums liegt auf Dongyu, einer 1,8 Quadratkilometer großen Insel mitten in der Mündung. Hier stehen das Konferenzzentrum, das Forumshotel und das Pressezentrum, das von oben aussieht wie eine fliegende Möwe. Rund 70 Prozent der Insel sind mit Bäumen bedeckt.
An gewöhnlichen Tagen fahren Elektrobusse die Besucher über die Insel, vorbei an den Sälen, in denen die großen Reden gehalten werden, an Fotowänden und gepflegten Gärten. Dazwischen liegen Bootsanleger, von denen die Ausflugsboote zur Sandbank Yudai ablegen.
Ein Labor für null Emissionen
Seit 2022 ist Dongyu auch ein Versuchsfeld. Das Bauministerium und die Provinz Hainan bauten die bestehende Insel in drei Jahren zu einem „Null-Emissions-Gebiet“ um, ohne abzureißen: Solardächer, Solarglas an den Hotelbalkonen, Solarpflaster auf den Plätzen, kleine Windräder in Blütenform, Elektrobusse und Wärmepumpen statt Gaskesseln. Dazu kommt eine Solaranlage außerhalb der Insel, unter deren Paneelen Gemüse wächst.
Im März 2024 ging die Insel in Betrieb, mit nach offiziellen Angaben rund 96 Prozent weniger CO₂ als vorher. Zertifiziert hat das Gebiet als erstes in China ausgerechnet eine deutsche Stelle, die Deutsche Energie-Agentur. Seit 2025 heißt es nicht mehr „fast null“, sondern „Null-Emissions-Gebiet“.
Ehrlich gesagt
An einem gewöhnlichen Novembertag ist das Forumsgelände trotzdem vor allem ein leeres Konferenzzentrum. Man sieht Säle, Fotowände und Grünanlagen, und die Führung ist eher Ausstellung als Erlebnis.
Die eigentliche Geschichte liegt außerhalb der Säle: die Mündung, die Sandbank Yudai, die Fischerboote und die Frage, was eine solche Weltbühne mit einem kleinen Ort macht. Das Ticket lohnt sich vor allem, weil die Bootsfahrt zur Sandbank darin enthalten ist.
Wie man den Besuch angeht
Am besten kommt man am Vormittag und kombiniert Forumsgelände und Sandbank. Das Kombiticket enthält den Elektrobus über die Insel und das Boot zur Sandbank, es kostet je nach Anbieter rund 130 bis 140 Yuan. Wer nur das Forum sehen will, zahlt weniger — lohnt sich aber kaum.
Im Frühjahr, rund um die Jahreskonferenz, sind Teile der Insel und viele Hotels gesperrt oder sehr teuer. Im November ist es ruhig. Auf dem Rückweg liegt Lecheng, die Medizin-Sonderzone, nur wenige Minuten entfernt.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 18.11.2026.