Hainan AUF EIGENE FAUST
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Wenchang — Raketen zwischen Kokospalmen

Quick Info
Englischer NameWenchang Space Launch Site
Chinesisch文昌航天发射场 kopierenWénchāng Hángtiān Fāshèchǎng
Ziel文昌航天科普中心 kopierenWissenschaftszentrum am Eingang
Beste ZeitWissenschaftszentrum am Nachmittag · Türme im Abendlicht vom Qishui-Strand · bei einem Start je nach Termin, oft nachts
BusVon der Stadt Wenchang fahren Busse nach Longlou — in Amap prüfen. Vom Hotel ist Didi einfacher.
DidiVom Hotel in Longlou wenige Minuten.
Route live
EintrittWissenschaftszentrum ab ca. 98 ¥ · Führung auf dem Startplatz nur für chinesische Staatsbürger
TicketsAuf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link*
GeöffnetWissenschaftszentrum etwa 09:30–17:30
Erster Start25. Juni 2016
AussichtQishui-Strand, Strand von Longlou — kostenlos
Tribüne bei Startsca. 368 ¥
Kommerzieller Startplatzbei Dongjiao, seit November 2024
Chinas schwerste Raketen starten von einem Küstenstreifen, auf dem nebenan Kokosnüsse geerntet und Fische an Land gebracht werden. Dafür gibt es drei sehr praktische Gründe — und eine Einschränkung für ausländische Besucher, die kaum ein Reiseführer erwähnt.

Ein Startplatz am Strand

Wer in Longlou am Strand steht, sieht auf den ersten Blick eine ganz gewöhnliche Küste Hainans: Kokospalmen, Fischerboote, ein paar Hotels. Erst beim zweiten Blick fallen die hellen Türme auf, die ein paar Kilometer entfernt über die Palmen ragen. Dort stehen die Startrampen des jüngsten und modernsten Raumfahrtbahnhofs Chinas.

Wenchang ist der erste Startplatz des Landes, der direkt am Meer liegt. Die drei älteren Startplätze liegen tief im Landesinneren: Jiuquan in der Wüste Gobi, Taiyuan im Norden und Xichang in den Bergen des Südwestens. Hier dagegen fliegen die Raketen über den Strand hinweg aufs offene Meer hinaus.

Warum ausgerechnet hier

Der erste Grund ist die geografische Breite. Wenchang liegt bei rund 19 Grad Nord und damit deutlich näher am Äquator als die älteren Startplätze. Je näher am Äquator, desto schneller dreht sich die Erdoberfläche, und diesen Schwung nimmt eine Rakete beim Start mit. Am Äquator bewegt sich der Boden mit rund 1.670 Kilometern pro Stunde nach Osten, in Wenchang mit gut 1.570, in Jiuquan in der Wüste Gobi nur mit rund 1.260. Diesen Unterschied muss eine Rakete nicht selbst aufbringen, und das spart Treibstoff. Nach chinesischen Angaben kann dieselbe Rakete von hier aus etwa zehn bis fünfzehn Prozent mehr Last in den Orbit bringen.

Der zweite Grund ist die Richtung. Von hier fliegen die Raketen nach Osten und Süden über das offene Meer, ausgebrannte Stufen fallen ins Wasser. An den Startplätzen im Landesinneren gehen sie über bewohntem Gebiet nieder, und Bilder von abgestürzten Raketenteilen neben Dörfern sind in China kein seltenes Motiv.

Der dritte Grund ist der banalste: Die großen Raketen der Reihe Langer Marsch 5 haben einen Durchmesser von fünf Metern. Sie passen durch keinen Eisenbahntunnel. Deshalb werden sie in Tianjin gebaut und per Schiff nach Hainan gebracht, bis in den Hafen Qinglan in der Nähe des Startplatzes.

Eine Idee aus den 1970er Jahren

Schon in den 1970er Jahren stand Hainan auf der Liste möglicher Standorte, als einer der besten. Damals entschied man sich wegen der unsicheren internationalen Lage — eine Küste gilt militärisch als verwundbar — für Xichang in den Bergen. Hainan blieb nur ein Testgelände für kleinere Höhenforschungsraketen.

Erst 2007 genehmigten der Staatsrat und die Zentrale Militärkommission den Bau eines neuen Startplatzes in Wenchang, 2009 begannen die Arbeiten. Am 25. Juni 2016 startete die erste Rakete, eine Langer Marsch 7, und am 3. November desselben Jahres die erste Langer Marsch 5. Betrieben wird der Startplatz bis heute vom Militär.

Die größte Halle, das größte Tor

Die Raketen werden hier stehend zusammengebaut, in riesigen Montagehallen. Die Halle für die Langer Marsch 5 ist 101 Meter hoch, ihr Tor misst 81 Meter und gilt als eines der größten Tore Asiens. Von dort fährt die fertige Rakete auf einer Plattform stehend über eine Schienenstrecke zur Startrampe, rund 2,8 Kilometer weit, langsam wie ein Fußgänger.

Diese Fahrt ist einer der schönsten Momente vor einem Start. Wenn eine Mission ansteht, zeigen chinesische Medien Bilder davon, wie die Rakete zwischen den Palmen zur Rampe rollt — ein paar Tage später folgt der Start.

Nicht alles gelingt

Die Geschichte des Startplatzes ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Im Juli 2017 scheiterte der zweite Flug der Langer Marsch 5, die Rakete erreichte ihre Bahn nicht. Es dauerte fast zweieinhalb Jahre, bis sie im Dezember 2019 wieder flog. Ohne diese Rakete waren Chinas große Pläne für Mond, Mars und Raumstation monatelang blockiert.

Auch später gab es Rückschläge: Im August 2026 ging bei einem Start von hier ein Kommunikationssatellit verloren, weil die Rakete versagte. Raumfahrt bleibt riskant, und China geht mit solchen Fehlschlägen heute offener um als früher — die Meldung kam rasch und ohne Beschönigung.

Was von hier startete

Von Wenchang aus flogen Chinas bekannteste Missionen der letzten Jahre: 2020 die Marssonde Tianwen-1, die ein Jahr später einen Rover auf dem Mars absetzte, und die Mondmission Chang'e 5, die zum ersten Mal seit den 1970er Jahren wieder Mondgestein zur Erde brachte. 2021 folgte das Kernmodul der Raumstation Tiangong, 2024 Chang'e 6, die als erste Mission überhaupt Proben von der Rückseite des Mondes holte. Regelmäßig starten von hier auch die Frachter, die die Raumstation versorgen.

Im August 2026 stand hier die Rakete für Chang'e 7 bereit, eine Mission zum Südpol des Mondes, wo man nach Wassereis in ewig dunklen Kratern sucht. Sie besteht aus vier Teilen: einer Sonde im Mondorbit, einem Landegerät, einem Rover und einem kleinen Fluggerät, das in die dunklen Krater hineinspringen soll. Und seit 2024 entsteht auf dem Gelände eine weitere Startrampe: für die Rakete, mit der China bis 2030 Menschen auf den Mond bringen will.

Was herunterkommt

Der Vorteil der Meeresküste gilt für die unteren Stufen, die kurz nach dem Start ins Wasser fallen. Umstritten war eine Variante der großen Rakete, die für die Raumstation gebaut wurde. Bei ihr erreichte die riesige Zentralstufe selbst die Umlaufbahn und stürzte später unkontrolliert zur Erde zurück. 2020 fielen Trümmer auf Dörfer in der Elfenbeinküste, und die amerikanische Raumfahrtbehörde kritisierte China mehrfach scharf.

China verwies darauf, dass das Risiko gering sei und die meisten Teile verglühten. Die Diskussion zeigt, dass Raumfahrt aus Wenchang nicht nur Hainan betrifft. Für Besucher gilt davon unabhängig: Wer an einem Starttag hier ist, erlebt eine Sperrzone, die weit ins Meer reicht.

Nebenan: der erste kommerzielle Startplatz

Etwas weiter südlich, beim Ort Dongjiao mit seinem Kokoswald, liegt seit 2024 ein zweiter Startplatz: der erste kommerzielle Raketenstartplatz Chinas. Gebaut wurde er ab Juli 2022 in weniger als zweieinhalb Jahren. Am 30. November 2024 hob dort die erste Rakete ab, inzwischen gibt es zwei Rampen, und zwei weitere sind im Bau.

Von hier starten vor allem Raketen, die ganze Pakete von Satelliten für neue Internet-Konstellationen ins All bringen, ähnlich wie Starlink in den USA. Zusammen sollen beide Startplätze bald mehrere Dutzend Starts im Jahr schaffen. Auch das gehört zur Freihandelszone Hainan: Die Insel will nicht nur Einkaufs-, sondern auch Raumfahrtstandort sein, und rund um Longlou entsteht ein ganzes „Raumfahrtstädtchen“ mit Hotels und Aussichtsplattformen.

Was man als Ausländer sehen kann — und was nicht

Hier liegt die Einschränkung. Führungen auf das Gelände des Startplatzes, mit Elektrobus bis zu Montagehalle und Startrampe, werden nach Angaben der Anbieter nur für Staatsbürger der Volksrepublik angeboten — nicht für Ausländer und auch nicht für Besucher aus Hongkong, Macau oder Taiwan. Es ist ein militärisches Gelände, und Mobiltelefone sind dort ohnehin verboten.

Frei zugänglich ist das Raumfahrt-Wissenschaftszentrum am Eingang, mit Modellen, Ausstellungen und Simulatoren. Ob ausländische Pässe dort problemlos akzeptiert werden, sollte man vorab klären. Und frei ist vor allem der Blick von den Stränden der Umgebung auf die Türme: Am Qishui-Strand stehen sie nur wenige Kilometer entfernt.

Einen Start erleben

Wer das Glück hat, dass während seines Aufenthalts eine Rakete startet, erlebt eines der eindrucksvollsten Schauspiele Chinas: erst ein Lichtpunkt, dann ein Donnern, das man im Bauch spürt, schließlich eine Feuersäule, die in wenigen Minuten im Himmel verschwindet. Viele Starts finden nachts statt, dann leuchtet die ganze Küste. Das Geräusch kommt dabei immer ein paar Sekunden nach dem Licht — bei vier Kilometern Entfernung etwa zwölf Sekunden, man sieht die Rakete also schon steigen, bevor man sie hört.

Die Termine werden meist erst kurzfristig bekannt und verschieben sich oft um Stunden oder Tage. Kostenlos zusehen kann man am Qishui-Strand, am Strand von Longlou und an weiteren offiziellen Aussichtspunkten. Es gibt auch kostenpflichtige Tribünen rund 3,5 bis 4 Kilometer von den Rampen, für etwa 368 Yuan. An Starttagen ist die Gegend voll, Straßen werden gesperrt, Hotels sind ausgebucht, und man sollte Stunden vorher da sein.

Wie man den Tag angeht

Am Nachmittag ins Wissenschaftszentrum, danach an den Strand, wo man die Türme im Abendlicht sieht. Vom Hotel in Longlou sind es jeweils nur wenige Minuten. Wer einen besseren Überblick möchte, fährt auf den Hügel Tongguling bei Longlou, der höchsten Erhebung an diesem Küstenabschnitt: Von oben sieht man die „Mondbucht“ zu seinen Füßen und in der Ferne das Startgelände. Der Aussichtspunkt kostet Eintritt und ist bis zum späten Nachmittag geöffnet.

Ein paar Tage vor der Anreise lohnt ein Blick auf die Starttermine, etwa über chinesische Raumfahrtseiten oder mit Hilfe des Hotels. Fällt ein Start in die Tage des Aufenthalts, ist das ein Grund, den ganzen Plan danach auszurichten.

Gut zu wissenDas Gelände des Startplatzes ist für Ausländer nicht zugänglich. Das Wissenschaftszentrum am Eingang und die Strände mit Blick auf die Türme dagegen schon — ob das Zentrum ausländische Pässe akzeptiert, vorher auf Trip.com oder im Hotel klären.
Gut zu wissenStarttermine kurz vorher prüfen. Ein Start kann sich um Stunden oder Tage verschieben, und an Starttagen werden Straßen gesperrt.
Gut zu wissenFür einen Start früh am Aussichtspunkt sein, Wasser und Mückenschutz mitnehmen — bei Nachtstarts wartet man oft lange im Dunkeln.
Unser Eindruck

Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 21.11.2026.

Texte: mit KI erstellt, recherchiert aus öffentlichen Quellen · Fotos & Videos: eigene Aufnahmen · Titelgrafik: KI-generiert