Xincun — das Dorf auf dem Wasser
| Englischer Name | Xincun Harbour — Tanka fishing village |
| Chinesisch | 新村港 kopierenXīncūn Gǎng |
| Ziel | 新村港疍家渔排 kopierenFloßdorf von Xincun |
| Beste Zeit | Morgens ca. 07:00–09:00 · mittags zum Essen auf einem Floß |
| Bus | Lokale Busse fahren nach Xincun, Linien in Amap prüfen — mit Didi deutlich einfacher. |
| Didi | Von Xiangshui Bay geschätzt 45–60 Minuten. Vor Ort alles zu Fuß: Hafen, Museum und Seilbahn liegen nah beieinander. |
| Route live | |
| Eintritt | Kostenlos · Boote und Essen nach Absprache |
| Tickets | Auf Trip.com buchen ↗Affiliate-Link* |
| Tanka in Xincun | über 15.000 Nachfahren, sieben bis acht Generationen |
| Floßdorf | über 500 Haushalte, rund 2.700 Boote (2024) |
| Sampan | kurze Überfahrt wenige Yuan, Rundfahrt nach Absprache |
| Einheit | 1 Jin = 500 g |
Die Menschen, die nicht an Land durften
Die Tanka, chinesisch Danjia, sind die Bootsbevölkerung Südchinas. Ihre Spuren reichen weit in die Geschichte zurück, bis zu den Völkern an der Südküste, lange bevor die Han dorthin kamen. Über Jahrhunderte lebten sie auf Booten entlang der Küsten und Flüsse von Fujian bis Guangxi — nicht weil sie es sich ausgesucht hatten, sondern weil man sie an Land nicht duldete.
Sie durften vielerorts kein Land besitzen, nicht in Familien an Land einheiraten und keine Beamtenprüfungen ablegen. Erst 1729 hob Kaiser Yongzheng diese Beschränkungen offiziell auf. An ihrem Leben änderte das über Generationen wenig. Das Schriftzeichen ihres Namens enthält das Zeichen für „Ei“ — gedeutet wird das meist mit der Form der Boote, manchmal auch mit der Zerbrechlichkeit dieses Lebens.
Aus Guangdong über das Meer
Die Tanka von Xincun kamen aus der Provinz Guangdong, aus Orten wie Yangjiang, Jiangmen, Panyu und Shunde. Die meisten Familien leben seit sieben oder acht Generationen hier. Ihre Sprache gehört zum Kantonesischen, und sie unterscheidet sich deutlich von allem, was man sonst auf Hainan hört.
Heute zählt Xincun über 15.000 Nachfahren der Tanka, verteilt auf drei Dörfer, die alle nach Seevögeln heißen: Seeadler, Schwalbe und Möwe. 2019 wurden sie gemeinsam in die Liste der traditionellen Dörfer Chinas aufgenommen. Es ist die größte und am besten erhaltene Tanka-Gemeinschaft der Insel.
Eine Stadt aus Flößen
Die Lagune von Xincun ist am Eingang eng und im Inneren weit, rundum geschützt von der Halbinsel mit der Affeninsel. Von oben sieht man ein Labyrinth aus Flößen, Fischkäfigen, Holzhäusern und Stegen, die Einheimischen nennen es den „Markt auf dem Meer“. Nach Angaben von 2024 gehören über 500 Haushalte mit Flößen und rund 2.700 Boote dazu.
Zwischen den Flößen verkehren kleine Motorboote wie Busse und Taxis, sie holen Bewohner, Gäste und Waren am Kai ab. Wer morgens kommt, sieht die Fischerboote hinaus- und hereinfahren, hört das Knattern der Motoren und manchmal ein Lied aus einem der Häuser.
Das große Aufräumen
Die Lagune stand vor wenigen Jahren kurz vor dem Kollaps. Zu viele Fischkäfige, Abwasser und Futterreste — das Wasser roch, und Korallen, Seegras und Mangroven litten. 2020 griff der Kreis durch: Die Flöße und schwimmenden Restaurants von 715 Haushalten wurden abgebaut, über 44 Hektar Flöße aus der Lagune entfernt.
Seitdem hat sich das Wasser sichtbar erholt, heute sieht man wieder Fische bis zum Grund. Für viele Familien war es ein harter Einschnitt: Sie mussten an Land ziehen, in die Hochseezucht wechseln oder vom Tourismus leben. 2021 gründeten die Floßbesitzer einen eigenen Verein, der regelmäßig Müll aus dem Wasser fischt und Kläranlagen auf den Flößen betreibt.
Lieder, Hochzeiten und eine Schule auf dem Boot
Die Tanka haben eine eigene Liedtradition, die „Salzwasserlieder“. Man sang sie bei der Arbeit, gegen die Einsamkeit auf dem Wasser und bei Festen. Früher wurde auf Booten geheiratet, und die Braut wurde mit Klageliedern verabschiedet, die ihre Schwestern und Freundinnen sangen. Die Bootshochzeit gibt es kaum noch, die Klagelieder vor der Hochzeit singen viele Familien bis heute.
Die Generation der heutigen Eltern ging noch in schwimmende Schulen, der Unterricht fand auf Booten statt. Ihre Kinder lernen an Land — und singen die alten Lieder inzwischen im Schulunterricht, weil ältere Tanka sie dort weitergeben.
Vom Fischfloß zum Hotelzimmer
Einige Familien haben ihre alten Zuchtflöße in schwimmende Restaurants und Pensionen verwandelt. Eine dieser Floßpensionen öffnete 2021 mit vier Zimmern, heute hat sie 24. Zum chinesischen Neujahr kostete ein Zimmer dort fast 3.000 Yuan pro Nacht, mehr als manches Luxushotel in Sanya. Ein Floßrestaurant, das in den 1990er Jahren mit vier Tischen begann, hat heute über 300 Plätze.
Gekocht wird auf die Art der Tanka: sehr schlicht, weil auf den Booten früher Salz und Öl knapp waren, meist einfach in Wasser gegart. Das bekannteste Gericht ist ein Reisbrei mit Igelfisch, der als Spezialität von Xincun gilt.
Wie man den Besuch angeht
Am Hafen warten kleine Boote, die für ein paar Yuan zu den Flößen übersetzen oder längere Rundfahrten durch das Dorf anbieten. Den Preis vor dem Einsteigen festmachen, am besten mit Zahl auf dem Handy. Am schönsten ist die Lagune am frühen Morgen.
Auf den Floßrestaurants werden Fisch und Meeresfrüchte wie auf dem Ersten Markt in Sanya nach Gewicht berechnet, pro Jin, also 500 Gramm. Erst bestellen, wenn Gewicht und Preis klar sind. Und nicht vergessen: Auf vielen Flößen wird gewohnt — Rücksicht nehmen, nicht ungefragt in Häuser hineinfotografieren.
Unser Eindruck folgt nach dem Besuch — geplant am 15.11.2026.